Vom A.N.T. zur A.N.T.S – ganz so einfach ist das nicht

Michael Friederichs, Ausbilder ANT

Ausbilderteam A.N.T. von links: Markus Brünn, Sascha Schmidt und Michael Friederichs

Dithmarschen - Im Kreis Dithmarschen werden jährlich vier Kurse für ein Atemschutznotfalltraining, kurz A.N.T, durch den Kreisfeuerwehrverband angeboten. Die Nachfrage bei den Feuerwehren ist groß. Das Team rund um den Fachwart Sascha Schmidt besteht aus insgesamt vier erfahrenen Atemschutzgeräteträgern, die seit 2015 bereits 20 Wehren im Kreis Dithmarschen für einen Atemschutznotfall ausgebildet haben. Doch der Schritt zu einer Atemschutz-Notfall-Trainierten-Staffel (A.N.T.S.) sei laut Ausbilder Michael Friederichs noch einmal ein ganz anderer.

Sascha Schmidt, Markus Brünn, Michael Friederichs und Arne Puck sind im Kreisfeuerwehrverband Dithmarschen für die Atemschutznotfallausbildung zuständig. „In Europa sind zwischen den Jahren 2010 und 2017 mehr als 970 Atemschutzgeräteträger bei Unfällen in einem Einsatz verletzt worden - für 34 Atemschutzgeräteträger endeten die Unfälle tödlich!“, berichtet Ausbilder Michael Friederichs. So endete auch im Jahr 2015 ein Gebäudebrand in Dithmarschen in einer Katastrophe. „Mit der Ausbildung im A.N.T. können wir die Sicherheit für die Atemschutzgeräteträger im Einsatz deutlich erhöhen. Der Lehrgang ist besonders praxisnah gehalten, beginnt bei den Grundsätzen des Atemschutzeinsatzes und endet in einer Abschlussübung in der die erlernten Inhalte abgefordert werden.“, erklärt Friederichs. Der Lehrgang werde für jede Feuerwehr individuell angepasst. Die vorhandenen Mittel der jeweiligen Wehren werden im Laufe des Lehrganges für die Rettung verunfallter Geräteträger eingesetzt. „Auf diese Weise zeigen wir auf, wie vielseitig die verschiedensten Rettungsmittel, von der Feuerwehrleine bis zum Spineboard, genutzt werden können.“, so Friederichs. Ziel des Lehrganges ist es, den Sicherheitstrupp auf einen Atemschutznotfall vorzubereiten und die Grenzen eines Trupps aufzuzeigen. Laut Friederichs schaffe es ein Sicherheitstrupp in der Regel gerade einmal den verunfallten Atemschutzgeräteträger zu finden und diesen über eine Atemschutznotfalltasche mit Luft zu versorgen, was zunächst das wichtigste zu erreichende Ziel darstellt. Die eigenen Luftreserven des Sicherheitstrupps reichen dann in der Regel nicht aus, um das verunfallte Feuerwehrmitglied ins Freie zu bringen, so dass ein weiterer Trupp benötigt wird. Der Personalaufwand für eine erfolgreiche Rettungsaktion sei enorm. Außerdem sei eine Koordination der einzelnen Trupps hier besonders wichtig.
Die nächste Sicherheitsstufe für den Atemschutzeinsatz bildet eine sogenannte Atemschutz-Notfall-Trainierte-Staffel (A.N.T.S.). „Die A.N.T.S. ist speziell geschult und nimmt im Einsatz eine unterstützende Tätigkeit für den Sicherheitstrupp wahr. Sie ersetzt den Sicherheitstrupp nicht!“, betont Michael Friederichs.
Friederichs weiter: „Die Notfallstaffel rückt mit einem eigenen Fahrzeug aus und beteiligt sich nicht am Einsatzgeschehen. Sie greift erst im Notfall ein und dringt dann mit ihrem 4er-Trupp zu dem verunfallten Atemschutzträger vor, um diesen zu retten.“
„Im Kreis Dithmarschen gibt es derzeit nur eine einsatzfähige Atemschutz-Notfall-Trainierte-Staffel, die auch gleichzeitig die einzige A.N.T.S. im Land Schleswig-Holstein darstellt.“, hebt Guido Brandt, Initiator und Leiter der A.N.T.S Heide hervor. Diese wird unter Brandts Leitung durch die Freiwillige Feuerwehr Heide Stadt unterhalten. „Basierend auf dem Berliner Modell wurden von den Mitgliedern nach der Grundausbildung von 64 Stunden weitere zwei Jahre Training durch zertifizierte Ausbilder absolviert, bevor sich die Staffel einsatzbereit melden konnte.“, berichtet Guido Brandt weiter. „Hierbei handelt es sich um einen erheblichen Mehraufwand im Gegensatz zu dem Atemschutz-Notfall-Training“, fügt Friederichs hinzu, „und das nicht nur zeitlich gesehen - auch die Ausrüstung unterscheidet sich deutlich von der herkömmlichen Ausrüstung der Freiwilligen Feuerwehren.“ So werden laut Friederichs unter anderem Zwei-Flaschen-Geräte mit CFK Flaschen verwendet, um auf einen größeren Luftvorrat zurückgreifen zu können. Ein eigenes Fahrzeug müsse vorgehalten werden, technische Geräte wie Wärmebildkameras, Schleifkorbtragen, Schlauchpakete und vieles mehr werden benötigt. Da eine A.N.T.S. mit dem wehreigenen Personal arbeite, könne sie bei der durchschnittlichen Personalstärke der Feuerwehren in Dithmarschen nicht die Sicherheit für die eigenen Kameraden bilden. Dies sei nur besonders personalstarken Feuerwehren wie im aktuellen Fall, der Stadt Heide, möglich. Aus diesem Grund strebt Guido Brandt zur besseren Abdeckung des Kreisgebietes eine weitere A.N.T.S. an.
„Es ist wichtig, eine einheitliche Ausbildung von Notfallstaffeln im Kreis Dithmarschen anzustreben!“, erklärt Michael Friederichs. Ein denkbares Modell wären Atemschutz-Notfall-Trainierte-Staffeln in den einzelnen Ämtern des Kreises Dithmarschen, die dann zu Einsätzen der jeweiligen Nachbarämter ausrücken könnten. Dies müsse im besten Fall über den Kreisfeuerwehrverband koordiniert werden. „Wildwuchs ist das Schlimmste was passieren kann, wir brauchen einheitliche Ausbildungsstandards und Einsatzmittel.“, so Friederichs weiter. Um die Feuerwehren im Kreis Dithmarschen über die Rahmenbedingungen zur Gründung einer Atemschutz-Notfall-Trainierten-Staffel aufzuklären, fand im Mai diesen Jahres eine Informationsveranstaltung durch den Kreisfeuerwehrverband Dithmarschen statt. Die Veranstaltung diente den Teilnehmern als anschauliche Erläuterung des Atemschutznotfalltrainings sowie der Atemschutz-Notfall-Trainierten-Staffel. Nach ersten Gesprächen mit Amtswehrführern und Wehrführern zeige sich eine gewisse Distanzhaltung gegenüber der Gründung einer A.N.T.S., auch, wenn der Sinn einer solchen Staffel verstanden wurde. Der Mitgliederrückgang und der erhebliche Schulungsaufwand schrecke viele Feuerwehren ab, sich an einem solchen System zu beteiligen. Umso mehr freut sich Guido Brandt über den geplanten Aufbau einer A.N.T.S. bei der Feuerwehr Wesselburen.
Friederichs zieht Bilanz: „Bis zu einem flächendeckenden A.N.T.S-Netz wird es noch ein weiter Weg sein. Mit der kreisweiten und einheitlichen Ausbildung des A.N.T.-Lehrganges sind wird auf einem guten Weg, um die Sicherheit unserer Atemschutzgeräteträger im Einsatz erheblich zu verbessern.“ Ganz nach dem Motto: „Lieber vorbereitet sein und nicht gebraucht werden, als gebraucht zu werden und nicht vorbereitet zu sein!“

offizielle Pressemitteilung des KFV Dithmarschen zum Download